Das Spiel mit der Macht: Bürgermeister-Simulation im Test
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Urban Empire Das Spiel mit der Macht: Bürgermeister-Simulation im Test

Bestechung, Klüngelei und Vetternwirtschaft: Die Politiksimulation „Urban Empire“ deckt auf, wie es in den Hinterstübchen einer Stadtverwaltung zugeht. So politisch war noch nie ein „Sim City“-Klon. Aber macht das auch Spaß? LVZ.de hat es getestet und verlost drei Spiele für den PC.

Die Wirtschaft floriert, die Stadt wächst: In "Urban Empire" ist neben dem Städtebau auch Politik im Spiel. Jede Entscheidung muss durch den Stadtrat (rechts)

Quelle: Kalypso

So läuft das also in der Lokalpolitik. „Volksvertreter“ werden mit Bedrohungen eingeschüchtert, die Mehrheit für eine Steuererhöhung ist nach einem Abendessen mit den missgünstigen Fraktionschefs im Sack und der Herausforderer um den Bürgermeisterposten wird plötzlich unwählbar. Wer hat nur diese fiesen Drogengerüchte über ihn gestreut?

Bei den politischen Machtspielen in „Urban Empire“ gehören Bestechung, Vetternwirtschaft und Klüngelei zum Handwerkszeug. Spieler schlüpfen in die Rolle eines Bürgermeisters und führen die Geschicke einer fiktiven Stadt von der Industriellen Revolution bis ins 21. Jahrhundert. Sie legen Wohn-, Gewerbe- und Industrieviertel an, errichten Schulen, Parks oder Polizeistationen und schauen im Idealfall dabei zu, wie ihr Dorf zur Metropole wächst.

Neue Stadtviertel planen, die Forschung vorantreiben und um Mehrheiten im Stadtrat kämpfen: Das PC-Spiel "Urban Empire" kombiniert Aufbaustrategie mit politischer Simulation. Screenshots: Kalypso

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Soweit, so gewöhnlich. Was „Urban Empire“ aus der Reihe der „Sim City“-Klone abhebt, sind die politischen Machtkämpfe im Stadtparlament. Da jeder Mülleimer und jede neue Verordnung durch den Rat bestätigt werden muss, braucht der Bürgermeister politische Finesse. Fehlt Geld im Stadtsäckel, wird es von den Fantasiefraktionen der „Physiokraten“ oder der Zentrumspartei keine Mehrheit für ein neues Stadtviertel oder einen neuen Bahnhof geben. Unentschlossene Parlamentarier werden auf die sanfte Art an ihr gutes Gewissen erinnert, Abtrünnige mit Gefälligkeiten bestochen oder mit Lügen gefügig gemacht. Überreizt der Spieler jedoch die Geduld der Opposition, kann der Effekt ins Gegenteil umschlagen. Das ist besonders heikel, wenn ein neuer Bürgermeister gewählt wird und damit die eigene Zukunft auf dem Spiel steht.

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Die finnischen Entwickler von Reborn Games haben extra für das PC-Strategiespiel das neue Genre „City Ruler“ erdacht. Der rundenbasierte Mix aus Städtebau- und Politiksimulation entpuppt sich als hochspannender – wenn auch hoffentlich nicht ganz realistischer – Einblick in den Parlamentsbetrieb. Ein umfangreiches Forschungssystem sowie rund 1000 Zufallsereignisse, vom plötzlichen Tod der First Lady über Studentenrevolten bis zu einem geheimnisvollen Lama-Geschenk, lassen die zwei Jahrhunderte an der Macht im Flug vergehen.

Auch einfach nur zuzuschauen macht Spaß. Die Städte, durch die anfangs noch Pferdekarren und später Straßenbahnen rollen, entwickeln sich in fünf Zeitepochen. Vier wählbare Bürgermeister-Dynastien und drei spielbare Karten laden zur mehrfachen Zeitreise ein. Wer über die bürokratisch-trockene Aufmachung des Spiels hinwegsehen kann und etwas Einarbeitungszeit nicht scheut, findet in „Urban Empire“ eine interessante Alternative zu Strategie-Klassikern von „Civilization“ über „Anno“ bis „Cities: Skylines“. Wenn denn der Stadtrat mitspielt.

Von Robert Nößler

Wertung und Infos

3,5 von 5 Punkten

Genre:City Ruler
Erscheinungsdatum:20. Januar 2017
Plattformen: PC
Preis: 39,99 Euro (Amazon)
Jugendfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Entwickler: Reborn Games
Publisher: Kalypso
Website: http://kalypsomedia.com/de/games/urbanempire/index.shtml

Das sollten Eltern wissen

Kinder an die Macht: Der Politiksimulator „Urban Empire“ ist nicht nur für Erwachsene geeignet. Auch Jugendliche können mit dem Spiel lernen, wie parlamentarische Demokratie auf lokaler Ebene in ihren Grundzügen funktioniert. Ein Tutorial erklärt zu Beginn der Kampagne alle grundlegenden Spielmechanismen, so dass der Einstieg in den komplexen Politikeralltag nicht allzu schwer fällt. Das Spiel um Macht und Mehrheiten taugt aber nur bedingt als Nachhilfestunde in Gesellschaftskunde, weil es Lügen und Bestechung als probates Mittel preist, um zum Ziel zu kommen. „Urban Empire“ hat jedoch keine Altersbeschränkung.

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