97 Prozent Zufriedenheit – Besucher geben den Leipziger Museen sehr gute Noten
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Befragung 97 Prozent Zufriedenheit – Besucher geben den Leipziger Museen sehr gute Noten

Die Besucher der Leipziger Museen finden diese zu 70 Prozent sehr gut und zu 27 Prozent gut. Macht eine Zufriedenheitsquote von 97 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Besucherbefragung der Stadt. In den Museen sind 2017 drei „Zahle so viel du willst“-Tage geplant.

Sieben Leipziger Museumsleute und eine Kulturbürgermeisterin – v.l.n.r.: Volker Rodekamp, Cornelia Thierbach, Kerstin Wiese, Skadi Jennicke, Hans-Werner Schmidt, Franciska Zólyom, Olaf Thormann und Ronny Leder.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die alte Journalistenregel, dass schlechte Nachrichten eigentlich gute seien – im Wut- und Unzufriedenheitsrauschen dieser Tage steht sie längst auf dem Kopf. Hier also eine fast schon erschreckend gute Neuigkeit: Die Besucher der Leipziger Museen finden diese zu 70 Prozent sehr gut und zu 27 Prozent gut. Macht eine Zufriedenheitsquote von 97 Prozent, die vermutlich selbst die Museumsleute überrascht haben dürfte. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Besucherbefragung, die von August bis Ende November 2016 vom Leipziger Amt für Statistik und Wahlen durchgeführt und am Freitag im Neuen Rathaus in Leipzig vorgestellt wurde.

Ausgangspunkt war ein Stadtratsbeschluss zur Entgeltordnung der städtischen Museen, mit dem der Auftrag für die Untersuchung verbunden war. Mündlich befragt unter anderem zur Zufriedenheit mit Angeboten, Service und Preisgestaltung wurden insgesamt 1099 Besucher der folgenden Einrichtungen: Stadtgeschichtliches Museum (Altes Rathaus, Haus Böttchergäßchen, Völkerschlachtdenkmal / Forum 1813), Bach-Museum, Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK), Grassimuseum für Angewandte Kunst, Museum im Mendelssohn-Haus und Museum der bildenden Künste.

19 Prozent der Museumsbesucher aus dem Ausland

Weitere Ergebnisse der Befragung: Die Mehrheit der Gäste kommt nicht aus Leipzig (nur 29 Prozent sind von hier), 49 Prozent reisen aus dem übrigen Bundesgebiet an, 19 Prozent aus dem Ausland – insbesondere aus den Niederlanden, den USA und Großbritannien. Im Durchschnitt 14 Prozent der auswärtigen Befragten sind extra wegen des Museumsbesuchs nach Leipzig gekommen, diese Quote ist mit 32 Prozent im Grassimuseum am höchsten. Mit 58 Prozent ist der Anteil der Besucher aus dem Ausland beim Bach-Museum mit Abstand am größten, gefolgt vom Mendelssohn-Haus (32 Prozent), am niedrigsten ist er mit 2 Prozent im Stadtgeschichtlichen Museum.

Die Befragten waren im Durchschnitt 48 Jahre alt und etwa zur Hälfte männlich und weiblich, 60 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Schulklassen, Kinder- und Jugendgruppen – ein nicht unerheblicher Teil der Besucher in den Museen – wurden nicht berücksichtigt.

Den mit 67 Prozent größten weiblichen Besucheranteil verzeichnen das Grassimuseum und die GfZK (57 Prozent), die mit einem Durchschnitt von 37 Jahren die jüngsten Besucher hat. Bei der Gesamtzufriedenheit schneidet das Mendelssohn-Haus am besten ab: 86 Prozent bewerteten hier ihren Besuch als „sehr gut“. „Wiederholungstäter“ sind insbesondere Besucher des Grassi- und des Bildermuseums. Bis zu sechs Mal und öfter lösen sie ein Ticket.

Kommen wir zur Kritik, wobei diese relativ ist, da auch hier die positiven Bewertungen klar überwiegen. Verbesserungsbedarf sehen die Befragten noch in der Beschilderung, um zu den Museen zu gelangen, der Wegeführung in den Häusern und den mehrsprachigen Angeboten in den Einrichtungen. Das, so Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Die Linke) am Freitag, lese man als Aufgabe für die Stadt und die Museen heraus.

In Zukunft freier Eintritt für die Dauerausstellungen?

Interessant ist, was die Besucher in den Museen am wenigsten wichtig fanden. Am Ende der Liste stehen die Punkte Audioguide (56 Prozent), interaktive Angebote (55 Prozent), Museums-Shop (55 Prozent und -Café (49 Prozent). Durchaus überraschend sind die Resultate beim Thema Eintrittspreise: 90 Prozent der Befragten fanden diese angemessen, 8 Prozent zu hoch und 2 Prozent sogar zu niedrig. Eine Information, die manche Kommunalpolitiker als Argument für eine weitere Preiserhöhungsrunde nutzen könnten. Darum, so Jennicke gehe es jedoch gerade nicht. Sie sieht die Befragung als Teil einer längerfristigen Diskussion zur weiteren Öffnung der Museen. Denkbar sei für sie auch eine Befragung derjenigen, die gerade nicht in die Museen gehen. Und nicht ausgeschlossen ist für die Kulturbürgermeisterin, dass am Ende die britische Lösung gewählt werde: freier Eintritt für die Dauerausstellungen.

Ganz konkret beginnt in diesem Jahr ein Experiment: In den städtischen Museen soll am jeweils ersten Oktober, November und Dezember ein „Zahle so viel du willst“-Tag stattfinden. Durchaus denkbar sei, so Jennicke, dass aus dem Pilotprojekt eine Dauereinrichtung wird. Laut Befragung würde das nicht einmal zu Einnahmeverlusten führen. Noch eine gute Nachricht – wenngleich Reden und Handeln nicht immer übereinstimmen.

Details zu Besucherbefragung unter www.leipzig.de/buergerumfrage

Von Jürgen Kleindienst

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