Körner: „Viel in der Freien Szene unterwegs, weil ich neugierig auf Neues bin“
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Vorsitzende des Kulturausschusses Körner: „Viel in der Freien Szene unterwegs, weil ich neugierig auf Neues bin“

Annette Körner (Grüne) leitet den Kulturausschuss des Stadtrates. Die 54-jährige Diplomchemikerin freut sich im LVZ-Interview, dass die Freie Szene in diesem Jahr deutlich mehr Geld bekommt.

Annette Körner im Gespräch mit der LVZ.

Quelle: André Kempner

Leipzig. LVZ: Sie sind Diplomchemikerin und arbeiten als Umweltbeauftragte für die Leipziger Verkehrsbetriebe. Wenn Sie privat Kultur genießen wollen, wo gehen Sie dann hin?

Annette Körner: Am meisten bin ich wohl in der Freien Szene unterwegs, weil ich sehr neugierig auf Neues bin. Auch Schauspiel und Ballett ziehen mich schnell an. Den Abend in Oper oder Gewandhaus planen wir eher länger. Da ich von klein auf in der Kirchenmusik zu Hause bin, muss auch noch Zeit für Proben bleiben. Über 20 Jahre bin ich in der Friedenskantorei, seit zwei Jahren auch in einem kleinen Posaunenchor und für mich selbst traktiere ich gern weiter mein Klavier oder die Geige.

Apropos Freie Szene. Wie ist die in Leipzig aufgestellt?

Kreativ und vielfältig. Jedes Jahr kommt Neues hinzu, das merkt man schon an der Zahl der Anträge auf Förderung. Deshalb bin ich froh, dass wir mit dem Doppelhaushalt 2017/18 die Kulturförderung der Freien Szene erfolgreich erhöhen konnten. Ihr werden alles in allem nun mehr als 5,9 Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt. Die Verwaltung hatte bereits eine Dynamisierung von 2,5 Prozent mehr auf die Summe des Vorjahres vorgesehen. Da sich die Einnahmen der Stadt verbessert haben, konnten die Fraktionen aber gemeinsam zusätzliche Förderungen durchdrücken. Das ist ein großer Erfolg. So konnten wir für viele Antragsteller mehr Geld bewilligen, die Betreibung des Budde-Hauses neu sichern, mehr Mittel für die Aktion Stolpersteine oder das Museum in der Runden Ecke zusagen.

Nichts gegen Stolpersteine oder die Runde Ecke. Wieso gehören die aber in eine Kulturförderung für Freie Träger?

Neben Musik, Literatur oder bildender Kunst werden auch kulturelle Bildung und Stadtgeschichte berücksichtigt. Es ist gut, dass Zeugnisse und Technik der DDR-Staatssicherheit im authentischen Umfeld der ehemaligen Bezirksverwaltung erhalten und gezeigt werden – bis hin zur originalen Tapete oder dem Fußboden. Die Texterklärungen und didaktischen Hilfsmittel lassen sich heute aber zielgruppengerechter und moderner gestalten. Daher unterstützen wir das Bürgerkomitee Leipzig nun bei der Umsetzung seiner Entwicklungskonzeption mit einer verdreifachten Förderung von 150 000 Euro im Jahr.

Wie groß ist die Möglichkeit, neue innovative Kulturprojekte zu fördern?

Die Projektförderung wird jährlich neu zu den eingereichten Anträgen entschieden und wir haben beantragt, dass auch diese Summe jährlich wächst. Diskutiert wird zudem ein Aktionsfonds für kleine Summen, die man im laufenden Jahr für neue Projekte erhalten könnte. Mit Vertretern der Freien Szene, mit denen wir uns schon länger am Runden Tisch beraten, diskutieren wir weitere Verbesserungen. Die institutionelle Förderung beträgt in Summe bereits über 4,5 Millionen, sie gibt Antragsteller aber durch ihren Vertrauensschutz Freiheiten, innovativ zu arbeiten. Dennoch steigen auch dort die Kosten für Miete und Strom.

Das ist ja gerade für Künstler in den Ateliers ein Problem wie jüngst im Westwerk. Wie können Stadt und Politik da helfen?

Das Kulturamt und die Kontaktstelle Kreativwirtschaft beraten bereits. Aber es wird schwieriger, in unserer wachsenden Stadt freie Räume für wenig Geld nutzen zu können. Auch die Verwaltung beschreibt aufgrund unserer grünen Anfrage, wo es hakt. Wir haben einen Antrag im Stadtrat gestellt, ein Förderprogramm zum Cluster Medien- und Kreativwirtschaft zu erarbeiten. Die Stadt könnte sichten, inwieweit Kreativräume in eigenen Liegenschaften angeboten werden können. Versuche gab es schon selbst mit Zwischennutzungen von Schaufenstern in der Eisenbahnstraße oder auch die Wächterhäuser führten zu kreativen Orten. Privates Engagement ist ebenso wichtig, ich denke zum Beispiel an die gute Atmosphäre im SpinLab.

Wie ist die Stadt auf Kultur-Wachstum eingestellt?

Leipzigs Attraktivität beruht auf der Vielfalt und künstlerischen Qualität der Kulturangebote. Die großen Häuser haben Dreijahresbudgets zugesichert bekommen. Die Finanzierung der Freien Szene wächst jährlich. Das ist sehr vernünftig, denn Kunst benötigt auch Freiräume. Und zum Beispiel mit dem Gewandhaus haben wir künstlerisch höchstes Weltniveau. Das begeistert nicht nur, es erfordert auch Finanzierung. Unsere Kulturlandschaft ist vortrefflich aufgestellt, auch für mehr Einwohner.

Wo klemmt am meisten die Säge?

Ich wünsche mir deutlich mehr Sponsoren, Mäzene, Stiftungen, Fonds, die Projekte und neue Ideen fördern. Wir haben immer dann ein Problem, wenn es neue Dinge gibt. Und die kommen in einer kreativen Stadt wie Leipzig laufend. Novitäten wie das Kunstkraftwerk, das privat finanziert wird, sind eine echte Bereicherung. Davon könnten wir mehr gebrauchen. Spendenmittel einzuwerben, das kennen nicht nur die Kulturvereine, ist in Leipzig allerdings unheimlich schwer.

Interview: Mathias Orbeck

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