Hoteliers und Gastronomen freuen sich auf ersten umsatzstarken Höhepunkt des Jahres
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Leipziger Buchmesse Hoteliers und Gastronomen freuen sich auf ersten umsatzstarken Höhepunkt des Jahres

Leipzig verwandelt sich in den größten Lesesaal Europas: Zur Buchmesse von Mittwochabend bis Sonntag kommen rund 3000 Mitwirkende und 260 000 Bücher-Freunde in die Stadt. Die Bettensituation hat sich etwas entspannt, da es in Leipzig jetzt deutlich mehr Hotelzimmer gibt. Dafür müssen die Hotels im Leipziger Speckgürtel Einbußen hinnehmen.

Pünktlich zur Buchmesse hat am Montag das Park-Hotel gegenüber vom Leipziger Hauptbahnhof nach umfangreicher Renovierung wiedereröffnet.

Quelle: André Kempner

leipzig.

Das Programm zum Lesefest ist mehr als 400 Seiten dick, frei nach dem Motto „Schlafen werden wir später“ – wie einer der neuen Romane dieses Frühjahrs heißt. Augenoptiker Truckenbrod, Bestatter Hoensch, Botanischer Garten Oberholz, Finanzamt, Frische-Paradies, Herrenausstatter van Laak, Hockeyshop, Hundesalon Dogs an der Kö, Pfeifers Eisdiele, Tabledance Bar Metropolis, Tanzschule Tangomanie, Zoo – fast 400 Veranstaltungsorte sind beim Festival „Leipzig liest“ dabei. Überall treffen sich Literaturfreunde und Autoren zu öffentlichen Lesungen, Gesprächen, Musik.

Buchmesse-Stammgäste buchen ihre Unterkünfte meist gleich ein Jahr im Voraus. Freie Zimmer fürs Messe-Wochenende gibt es noch, aber nur wenige. Dafür verlangen die Hotels gesalzene Zimmerpreise. Ein kleiner LVZ-Test ergab satte Unterschiede für zwei Personen und zwei Nächte – jeweils im Vergleich zum Wochenende vor der Buchmesse: Victors’ Residenz Hotel 456 Euro (am vergangenen Wochenende 288 Euro), Marriott 588 Euro (328 Euro), Innside by Melia 376 Euro (256 Euro), Steigenberger Grandhotel 644 Euro (450 Euro), Westin-Hotel 354 Euro (318 Euro), Atlanta Hotel in Wachau 358 Euro (197 Euro). „Als Hotelier kann man zur Buchmesse Geld verdienen, während man an vielen anderen Tagen des Jahres rabattieren muss“, geht das für Axel Hüpkes, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen (Dehoga) , voll in Ordnung. „Wenn die Zimmer in der ganzen Stadt knapp werden, weil die Nachfrage höher ist als das Bettenaufkommen, wäre man doch blöd, das nicht zu nutzen.“ Das sei nicht nur legitim, sondern weltweit üblich.

Dass es überhaupt noch ein paar Zimmer in Leipzig gibt, wenn auch zu saftigen Preisen, ist den neu eröffneten Hotels zu verdanken. Am 1. September 2016 kamen auf einen Schlag 1200 zusätzliche Betten in vier Häusern in Leipzig auf den Markt. Laut Holm Retsch, Dehoga-Geschäftsführer in Leipzig, macht sich die Marktverschiebung bereits bemerkbar: „Alle Buchmesse-Gäste wollen am liebsten in die Innenstadt. Für die Hotels im Speckgürtel um Leipzig wird es schwieriger, ihre Betten zu verkaufen.“ Messebesucher, die bisher aus Kapazitätsgründen nach Halle, Grimma oder Dessau ausweichen mussten, können dieses Jahr durchaus etwas in Leipzig finden. Und in Zukunft wird es noch leichter, denn es stehen weitere drei Hotels vor der Eröffnung: das Meiniger im früheren Ibis-Hotel am Brühl, das Travel 24 im Ringmessehaus und das Motel One in der ehemaligen Hauptpost.

„Wir lieben die Buchmesse, sie ist für uns der Saisonauftakt und ein hervorragendes Geschäft. Ohne das könnte die Innenstadt-Gastronomie nicht leben“, sagt Gritt Englert vom Restaurant „Weinstock“ direkt am Markt. Große Verlage kommen mit ihren Schriftstellern zum Essen, „das ist zwar ein großer Stresspegel, aber auch
große Freude auf beiden Seiten“. Der Küchenschluss wird während der Messetage von 22 auf 23 Uhr verschoben. Allerdings macht sich auch bemerkbar, dass es der Bücherbranche nicht nur gut geht: „Wo früher drei oder vier Gänge bestellt wurden, reicht heute die kleine reduzierte Karte.“

Von Kerstin Decker

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