Feuerwerk brillanter Dialoge: "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza
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Bitterböse Komödie Feuerwerk brillanter Dialoge: "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza

An Silvester feierte "Der Gott des Gemetzels" im Schauspiel Leipzig vor ausverkauftem Haus Premiere. Sichern Sie sich jetzt ihre Karten für einen der nächsten Termine – am 26.2. um 16 Uhr mit kostenfreier Kinderbetreuung.

Das Wohnzimmer wird zum Schauplatz der Ereignisse.

Quelle: Rolf Arnold

Ein Pharma-Anwalt und eine Vermögensberaterin. Eine Autorin mit Afrika-Schwerpunkt und ein Sanitärhändler. Wann begegnen sich zwei solch gegensätzliche Paare? Selten. Haben sie irgendetwas gemeinsam? Nein. Es sei denn, beide Paare haben Kinder, die in ein und dieselbe Schule gehen. Dann kann es tatsächlich passieren, dass zwei solche Paare einen Nachmittag miteinander verbringen müssen. Von diesem zivilisatorischen Ausnahmefall erzählt Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“. Und selten zuvor hat jemand ein solches Aufeinandertreffen so sensationell genau beobachtet — und so sensationell komisch. Dass der Lack der Zivilisation manchmal dünn ist, ist bekannt — aber wie Yasmina Reza diesen Lack Schicht für Schicht quasi in unser aller Nachbarschaft abplatzen lässt, ist maximal unterhaltsam.

Weil die Söhne sich geprügelt haben und dabei der eine dem anderen zwei Zähne ausgeschlagen hat, treffen sich nun die Eltern zur gütlichen Einigung im Geiste des gewaltfreien Diskurses. Aber was als Leistungsschau toleranter Großstädter beginnt, entwickelt sich zur Zimmerschlacht, bei der die Eltern ihre Söhne locker in den Schatten stellen. Und bald sitzen zu Kaffee und Gebäck sämtliche Gehässigkeiten und Vorurteile mit auf dem Designersofa, die ansonsten sorgfältig verschlossen sind hinter der Fassade humanistischen Geplauders. Solche Wortgefechte schlagen zwar keine Zähne aus, räumen aber trotzdem effektvoll auf im Leben des Gegenübers. Wobei es nicht nur zwischen den Paaren hoch hergeht, sondern auch zwischen den Partnern. Und über weißen Tulpen und geschmackvollen Bildbänden fallen in großer Gründlichkeit die Prinzipien des abendländischen Verhaltenskodex in Trümmer.


Die nächsten Termine:  13. Januar (ausverkauft), 29. Januar, 11. Februar, jeweils 19.30 Uhr, Große Bühne. Für die Vorstellung am 26. Februar um 16 Uhr bietet das Schauspiel Leipzig eine kostenfreie Kinderbetreuung an. Alle Termine finden Sie hier in der Übersicht.

PM

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