„Leipzig ist der beste Standort für Frauenhandball“
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Heiko Rosenthal im Interview „Leipzig ist der beste Standort für Frauenhandball“

Den HCL drücken hohe Schulden, die Zukunft der Mannschaft ist ungewiss. Sport-Bürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) spricht im LVZ-Interview über die Schieflage des Vereins und mögliche Hilfen der Stadt Leipzig.

Heiko Rosenthal (Archivbild)

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Sind der HC Leipzig und insbesondere die Erstliga-Mannschaft des Vereins zu retten? Diese Frage ist ein beherrschendes Thema  im Leipziger Sport, seit Manager Kay-Sven Hähner am vergangenen Donnerstag erstmals einen Schuldenstand von 900.000 Euro öffentlich einräumte. Über die Zukunft des Frauenhandballs in der Stadt und eine mögliche Hilfe der Kommune äußert sich Sport-Bürgermeister Heiko Rosenthal (42/Die Linke).

LVZ: Herr Rosenthal, die finanzielle Schieflage des HCL kam letzte Woche nicht mehr überraschend. Haben Sie Höhe und Ausmaß der Schulden dennoch von den Socken gehauen?

Ich muss damit umgehen, was mir mitgeteilt wird. Da kommt es nicht darauf an, ob ich überrascht oder enttäuscht bin. Ich blicke nach vorne und schaue, ob und wenn ja, wie wir das gelöst bekommen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir eine Handball-Bundesligamannschaft der Frauen in unserer Stadt brauchen. Alle fachlichen und faktischen Voraussetzungen sind ja gegeben, dass Leipzig der beste Standort für Frauenhandball ist. Insofern gehen wir mit großer Verantwortung an die Lösung des Problems. Wir wollen, dass es beim HCL weitergeht.

Sie sprechen in der Wir-Form. Wen schließen Sie ein?

Das ist die Meinung der Stadtverwaltung. Wenn wir uns eine finanzielle Unterstützung vorstellen können, dann bin ich davon überzeugt, dass auch der Stadtrat dies mit einem Ratsbeschluss mitträgt. Ich nehme es so wahr, dass die Politik sich in unserer Stadt für das Projekt positionieren wird.

Bedeuten 900 000 Euro Schulden eine fast ausweglose Situation?

Ich bleibe dabei: Ziel ist es, den Handball am Standort Leipzig in die nächste Saison und natürlich auch darüber hinaus fortzuführen. Die Schuldensumme ist zweifellos eine große Hürde, aber nicht unlösbar. Wir können dieses Ziel erreichen, allerdings sind hierfür zunächst gewaltige Anstrengungen des HCL erforderlich. Eine Unterstützung durch die Stadt kann nur am Ende des Weges stehen, nicht am Anfang.

Hätte sich der Verein nicht früher zu den Problemen bekennen müssen?

Der Sport ist autonom. Am Ende müssen die Verantwortlichen beim HCL selbst entscheiden, zu welchem Zeitpunkt sie über kritische Situationen informieren. Sie haben sich jetzt erklärt und offiziell um Hilfe gebeten. Mit diesem Anliegen gehen wir nun konstruktiv um.

Kam die Erklärung nicht drei statt fünf Minuten vor zwölf?

Bis zum letzten Moment wurde beim HCL probiert, eine eigene Lösung zu finden. Wie sich die Situation aber aktuell darstellt, kann man es schon so sehen, dass diese Erklärung zu spät kam.

Ist die Spielbetriebs GmbH in Schieflage oder der gesamte Verein?

Unser Thema war bisher der Spielbetrieb der ersten Mannschaft. Darum geht es erstmal.

Spielt der HCL jetzt mit offenen Karten?

Wenn man die Unterstützung der Stadt Leipzig haben will, muss alles offen auf den Tisch gelegt werden. Es braucht auch ein klares und nachhaltiges Konzept, wie man eine solche Lage wie momentan künftig vermeiden will. Dazu gehört auch die Frage: Wie kann man durch die Unterstützung durch Dritte den momentanen Spielbetrieb aufrecht erhalten. Denn das ist nicht der Job der Stadtverwaltung.

Wie könnte die Hilfe der Stadt aussehen?

Das kann man heute noch nicht sagen. Es müssen noch eine Analyse der Ist-Situation und ein Sanierungskonzept vorgelegt werden. Dazu gehört ein Ausblick für die Zukunft. Wenn das auf dem Tisch liegt, können wir Entscheidungen treffen.

Braucht es dringend neue Sponsoren?

Dazu muss dieses Konzept Aussagen treffen. Die Stadt öffnet im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne Türen zu Sponsoren. Das ist in der Vergangenheit so gewesen und das wird auch künftig so sein. Die Probleme momentan liegen im internen Ablauf beim HCL, das muss kritisch analysiert werden.

Was spricht gegen einen sauberen Neuanfang in der 3. Liga – und man ist in zwei Jahren wieder erstklassig?

Theoretisch wäre das denkbar. Aber erstens würde ein sportliches Aushängeschild der Stadt Leipzig von der Bildfläche verschwinden und zweitens würde es für solche Aufstiege keine Garantien geben.

Im Dezember sagten sie, dass die Stadt den HCL 2017 mit 65 000 Euro und damit deutlich stärker als üblich unterstützen wird. Gab es dazu kritische Stimmen?

Kritik am Ausgabeverhalten der Stadt für den HCL habe ich noch nie wahrgenommen. Die Sportförderung erfolgt nach klaren Richtlinien, wird mit der Politik abgestimmt und im Fachausschuss Sport beschlossen. Und ich betone auch: Die Resonanz auf das Agieren des Vereins in der vergangenen Woche empfinde ich als positiv.

Interview: Frank Schober

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